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Der Nachtbus bringt mich von Oaxaca nach Tuxtla-Gutierrez, der Hauptstadt des Bundesstaates Chiapas. Ich bin also früh am Morgen dort und nehme ein Hotel in der Nähe der Kathedrale. Wenn es den Wettbewerb „Mexiko sucht die hässlichste Plaza“ geben würde, wäre Tuxtla ein Anwärter auf Rang 1. Ein betonierter Platz so groß wie vier Fußballfelder, nahezu kein Baum, kein Strauch, keine Bank, nichts. Die Kathedrale ist aus dem gleichen Holz, Verzeihung Beton, geschnitzt und steht der Plaza – eigentlich „Plaza Civica“ – an Hässlichkeit von außen und innen in nichts nach. Jede volle Stunde läuft dort am Glockenturm, gesteuert von einer Uhr, die 10 Minuten nachgeht, eine kitschige Parade der 12 Apostel ab. Ich versuche eine Tour zum Canon del Sumidero zu buchen, es wäre möglich, wenn ich für 5 Teilnehmer bezahle – weil ich der einzige Interessent bin. Ich lehne dankend ab. Wenn ich nicht schon meine Übernachtung bezahlt hätte, wäre ich sofort weitergefahren. Die Stadt ist so untouristisch, dass sie schon wieder touristisch ist. Ein italienischer Zirkus ist in der Stadt zu Gast, hat vor der Kathedrale seine Tiere abgestellt und blockiert damit zwei der vier Fahrbahnen. Die Zirkusveranstaltung wird den ganzen Tag lautstark beworben, hierzu wird ein Dromedar auf einem Pick-up bis in den späten Abend hinein durchs Zentrum gefahren. Die Karte kostet 30 Pesos (1,80 EUR). Mindestens die Kinder sind begeistert. Der Geräuschpegel in der Stadt – mal abgesehen vom Zirkus – ist fürchterlich hoch. Auf der Hauptstraße, der Avenida Central, hat jeder zweite Laden eine eigene Musikanlage in Betrieb und versucht damit, die Aufmerksamkeit der Kunden zu erregen. Irgendwann komme ich zum Jardin de la Marimba und dem „Museo de la Marimba“. Der Garten mit Bäumen, Sträuchern, Bänken und einer kleinen Musikhalle ist ein kleines, grünes Herz in der Innenstadt. Die Marimba ist ein Musikinstrument, ein Xylophon aber viel größer als die, die ich bisher kannte. In dem kleinen (aber feinen) Marimba-Museum sind die verschiedensten Instrumente ausgestellt und viele schöne, alte Fotos werden gezeigt. Vier ältere Herren spielen mir auf zwei Instrumenten etwas vor, sie machen das mit viel Begeisterung und ganz professionell. Im Museum erfahre ich, dass am Abend im „Jardin“ Musik gemacht wird. Gegen 19.00 Uhr bin ich wieder hier und traue meinen Augen und Ohren nicht. Der kleine Garten ist mit Leuten gefüllt, man hat zusätzliche Stühle aufgestellt, sie sind auch alle besetzt. Die Musik spielt, zwei Marimbas sind auch dabei und die Leute, groß und kleine, junge und alte, tanzen auf den freien Flächen. Ich verbringe dort mindestens zwei Stunden ohne dass es langweilig wird.

#019 Tuxtla-Gutierrez, MX – http://goo.gl/maps/Q1zow

 

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